Wissen: Psychologische Begriffe für Veränderung
Warum Menschen bremsen, wenn Neues kommt, und was die Forschung dazu wirklich sagt.
15 Begriffe, jeder mit Stand der Forschung, Quellen und fünf Fragen. Stand: 08.10.2026.
Begriffe aus der Forschung
- Motivation und SelbstErlernte HilflosigkeitLearned HelplessnessWer wiederholt erlebt, dass das eigene Handeln nichts bewirkt, hört auf zu handeln, auch wenn Handeln wieder möglich wäre. Die Erklärung dafür haben ihre Urheber 2016 selbst umgedreht.
- EntscheidungFuture Self ContinuityVerbundenheit mit dem zukünftigen SelbstDas Ausmaß, in dem Menschen ihr zukünftiges Selbst als Fortsetzung des gegenwärtigen erleben. Ein junges Forschungsfeld mit kleinen Studien und gemischter Evidenz.
- Motivation und SelbstImposter-PhänomenImpostor PhenomenonDas Gefühl, trotz objektiver Erfolge intellektuell unecht zu sein und bald entlarvt zu werden. Kein Krankheitsbild, und im Detail umstrittener, als der Begriff vermuten lässt.
- EntscheidungKognitive DissonanzCognitive DissonanceDer unangenehme Spannungszustand, wenn Überzeugungen, Verhalten oder Entscheidungen nicht zusammenpassen. Ein Klassiker der Sozialpsychologie, dessen Experimente und Mechanismus bis heute diskutiert werden.
- Gesundheit und ResilienzKohärenzgefühlSense of CoherenceDas Gefühl, die Welt als verstehbar, handhabbar und bedeutsam zu erleben. Ein Kernbegriff der Salutogenese, breit gemessen und methodisch nicht unumstritten.
- Team und OrganisationPsychologische SicherheitPsychological SafetyDie geteilte Überzeugung in einem Team, dass es sicher ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen: Fragen stellen, Fehler zugeben, widersprechen.
- Team und OrganisationSCARF-ModellSCARFEin Praxismodell von David Rock mit fünf Bereichen sozialer Erfahrung, die eine Belohnungs- oder Bedrohungsreaktion auslösen können. Weit verbreitet, aber als Ganzes nicht unabhängig geprüft.
- Motivation und SelbstSelbstwirksamkeitSelf-EfficacyDie Überzeugung, die für eine Aufgabe nötigen Handlungen organisieren und ausführen zu können. Gemeint ist der Glaube an die eigene Handlungsfähigkeit, nicht das Können selbst.
- Motivation und SelbstSelf-HandicappingSelbstbehinderungStrategien, bei denen Menschen vor einer wichtigen Leistung ein Hindernis schaffen oder behaupten, damit ein Misserfolg dem Hindernis statt der eigenen Fähigkeit zugeschrieben wird.
- Gruppe und EinflussSocial Proof (Konformität)Social ProofDie Tendenz, sich bei Unsicherheit an dem zu orientieren, was andere tun oder für richtig halten. Die klassischen Experimente zeigen weniger Gehorsam gegenüber der Mehrheit, als ihr Ruf vermuten lässt.
- EntscheidungStatus-quo-VerzerrungStatus Quo BiasDie Tendenz, bei Entscheidungen die aktuelle Option überdurchschnittlich oft beizubehalten, auch dann, wenn ein Wechsel nichts kosten würde.
- EntscheidungVerlustaversionLoss AversionVerluste fallen in Entscheidungen oft stärker ins Gewicht als gleich große Gewinne. Wie viel stärker, ist umstrittener, als die Faustzahl „doppelt“ vermuten lässt.
Meine eigenen Konzepte
Diese drei Begriffe habe ich entwickelt. Sie sind keine etablierten Fachbegriffe und nicht empirisch geprüft. Jeder Eintrag sagt, worauf er sich stützt und was Deutung ist.
- Begriff aus der PraxisBewältigungskraftDie Kraft von Menschen und Teams, Neues zu tragen. Mein Begriff für eine begrenzte Ressource, die in keinem Veränderungsplan auftaucht.
- Begriff aus der PraxisRealisierungslückeDer Abstand zwischen dem Einsatz neuer Technik und ihrer tatsächlichen Wirkung im Geschäft. Mein Begriff für das, was entsteht, wenn Zukunft eingekauft, aber nicht getragen wird.
- Begriff aus der PraxisVier Phasen der FührungsebeneEin Beobachtungsmodell aus meiner Praxis: Viele Führungskräfte durchlaufen im Umgang mit Digitalisierung nacheinander Ignorieren, Negieren, Schlechtreden und Kokettieren mit der eigenen Rückständigkeit.
Kein Begriff gefunden. Probieren Sie ein anderes Stichwort oder „Alle“.
So lesen Sie dieses Glossar
Jeder Eintrag folgt demselben Aufbau: kurz erklärt, wo der Begriff im Unternehmen auftaucht, wie er klingt, das häufigste Missverständnis, was die Forschung dazu sagt und fünf häufige Fragen. Am Ende stehen die Quellen.
Die Beispiele unter „Wo es im Unternehmen auftaucht“ und „So klingt es“ sind typische Situationen aus meiner Arbeit, keine Studienergebnisse. Praxisfolgerungen sind als solche gekennzeichnet. Die Einträge wurden am 08.10.2026 recherchiert, Hinweise auf Fehler nehme ich gern entgegen.
Vom Begriff zur eigenen Organisation
Der Ready-Check zeigt Tendenzen an fünf Stellen, an denen Veränderung typischerweise scheitert. Er ist ein Gesprächseinstieg und keine validierte Messung.
Wenn daraus ein Gespräch werden soll: Anfrage stellen